Wir werden nicht älter, wir werden nur reifer! Wer kennt ihn nicht, den trotzig-optimistischen Ausspruch der „in die Jahre Gekommenen“? Umso gespannter war das durchschnittlich doch recht reife Publikum der letzten MCC-Veranstaltung, wie sich das Kaufverhalten verschiedener Altersgruppen unterscheidet. Bereits die Aufteilung der einzelnen Fraktionen ließ ein Raunen durch die Reihen gehen: 18 bis 29 Jahre (unkritisch); 30 bis 49 Jahre (akzeptabel); 50 bis 85 (Autsch) – das war dann doch ein herber Schlag für die „Gerade-erst-50er“. Aber Frau Professor Dr. Margit Enke von der TU Bergakademie Freiberg hielt sich nicht lange bei Sentimentalitäten auf, sondern stieg mit einer simplen Frage in ihren Vortrag ein: Was ist Alter überhaupt? Die Antworten darauf waren komplex und (das war tröstlich) das Geburtsdatum relativierte sich schnell. Chronologisches Alter, biologisches Alter, soziales Alter, …. – jeder Teilnehmer konnte für sich persönlich eine kleine Rechnung aufmachen, um sein „wirkliches“ Alter zu ermitteln. Offenbar waren die Ergebnisse zufriedenstellend, denn die Stimmung im Raum entspannte sich. Was die „Reiferen“ überhaupt nicht mögen war schnell herausgefunden: scheinaufgeklärte Nachsichtigkeit in Form von „Seniorentellern“ und glorifizierendes „Silver-Age“-Geschwafel in Hochglanzprospekten. Deshalb folgten differenzierte Betrachtungen zu Bildungsniveau, Einkommen, Tätigkeit und Geschlechterverteilung. Medienverhalten und Werbeansprüche kondensierten ebenso in bunten Kurven wie Kinobesuche und Kriterien bei Kaufentscheidungen. Scheinbar harmlos wurde nun das gefühlte Alter in die Befragung einbezogen. Und siehe da: in der Gruppe von 50-85 fühlten sich 70% der Befragten wesentlich jünger. Das wiederum veranlasste das Team um Frau Prof. Dr. Margit Enke, das Einkaufsverhalten dieser „Jungfühligen“ mit den „echten“ Jüngeren zu vergleichen. Die Auswertung beendete den Vortrag sofort. Denn das Ergebnis verblüffte in seiner Schlichtheit und ließ sich in allen untersuchten Themen in vier Worten zusammenfassen: „Keine statistisch relevanten Unterschiede“! In die folgende Ratlosigkeit tröpfelten noch einige Fragen, die das entzauberte Mysterium noch nicht ganz aufgeben wollten: “Also brauchen wir gar keine Unterschiede zwischen jungen und älteren Kunden zu machen…“? Offenbar nicht – und das ist gut so! Denn wenn Werbung textlich, gestalterisch und bildlich die Welten der einzelnen Zielgruppen trifft, dann ist das Alter unwesentlich. Machen wir uns also als aufgeklärte Marketer ans Werk!
André Grunewald breitband – Agentur für Kommunikation/ Design/ Werbung
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